Archive for category Hintergründe
Horrorszenario
Posted by admin in Hintergründe on June 1st, 2009
Für die folgenden Befürchtungen habe ich bislang keine wirklichen Belege. Ich kann mir jedoch gut vorstellen dass es genau so kommen wird, und ich glaube auch, damit nicht allein zu sein:
- Die Stoppseiten kommen, jedoch ohne Besucherprotokolle, da bekannt wurde, dass diese Protokolle leicht zur Denunziation Unschuldiger zu missbrauchen sind.
- Das BKA betreibt die in Deutschland entdeckten Kinderpornoserver weiter und protokolliert, oder sie lassen einfach bloß die Betreiber in Ruhe, um an die Protokolldateien zu kommen. Das ist was das BKA es eigentlich will: die Zugriffsprotokolle der echten Kiposerver, die sind belastbar, damit kann man jemanden verknacken.
- Jeder, über einen zensurfreien DNS-Server surft und von einem Scherzbold auf eine der geblockten Seiten verlinkt wird landet in den Protokollen und bekommt demnächst Besuch von der Staatsanwaltschaft. Vorwurf: Versuch der Verschaffung von Kinderpornographie. Untermauerung: Hat die Sperre umgangen, wollte also offenbar wirklich an Kinderpornographie gelangen.
Für die Mehrzahl der Internetnutzer würde das eine Erleichterung bedeuten, sie laufen dann nicht mehr Gefahr durch Protokollierung auf Stoppseiten in den Fokus von Kinderporno-Ermittlern zu kommen. Käme es so muss mann allerdings fragen, ob es nicht zweckmäßiger wäre, die Hintermänner zu fassen und die Server sofort vom Netz zu nehmen. So könnte man möglicherweise auch verhindern, dass die Besucher der Seiten sich überhaupt erst der Beschaffung schuldig machen. Zumal ich ziemlich sicher bin, dass die absolute Mehrzahl derjenigen, die die Sperren umgehen das aus Misstrauen jedweder Zensur gegenüber heraus tun, und nicht aus verlangen nach Kinderpornographie
Härtere Kinderpornosperren umgehen
Posted by admin in Hintergründe, News on May 21st, 2009
In den letzten Tagen haben sich verschiedene Organisationen darauf verlegt, einen Kritikpunkt der Sperrgegner ernst zu nehmen. Es scheint nun auch bei den Sperrbefürwortern angekommen zu sein, dass die zunächst geplante Sperretechnik äußerst leicht zu umgehen sind, in einem Youtube-Video wird beispielsweise die Umgehung in unter 30 Sekunden gezeigt.
Um diesem Kritikpunkt zu begegnen, werden nun härtere Sperren gefordert, das britische Modell oder das chinesische Modell werden als Beispiele “schwerer” zu umgehender Internetsperren angeführt.
Leider ist die Annahme, es gebe eine Sperrtechnik, die schwer umgangen werden könnte, jedoch falsch: (schwer im Sinne von schwerer als das Auffinden von Kinderpornographie)
Die gleichen Methoden, die es erlauben, Geschäftsprozesse vertraulich über das Internet abzuwickeln, die für Onlinebanking und Internet-Einkäufe notwendig sind, ermöglichen auch die Umgehung von Netzsperren. Die Methoden, die vertrauenswürdige, sichere Kommunikation über das Internet ermöglichen, können immer auch eingesetzt werden, um ungefiltert kommunizieren zu können.
So ist es beispielsweise für ein paar Euro möglich, sich im Ausland per Internet einen sogenannten “VPN-Zugang” zu kaufen. Dabei handelt es sich um Zugang zu einen Server, der es zusammen mit einer speziellen Software ermöglicht, so zu surfen, als befinde man sich im Ausland. Die gesamte Kommunikation mit dem Internet wird verschlüsselt an den Server geschickt. Dieser packt die verschlüsselten Anfragen aus und leitet sie ins Internet weiter. Das funktioniert dann etwa so:

Arbeitsweise einer VPN-Tunnelsoftware
Die Konfiguration der Tunnelsoftware ist auf den gängigen Betriebssystemen mit wenigen Handgriffen möglich und nicht merklich schwerer als die Umgehung der DNS-Sperre. Der geneigte Leser kann sich davon anhand der Anleitung auf der Seite des Anbieters überzeugen. Auch der Preis von 5$ pro Monat stellt keine Hürde dar: Personen, die bereit wären, Kinderpornographie zu kaufen sind offenbar bereit, auch Geld für den Zugang zu solcher auszugeben.
Kinderpornographie-Sperre umgehen in 27 Sekunden
Posted by admin in Hintergründe on April 4th, 2009
Jemand hat sich die Mühe gemacht, die Schritte zur Umgehung der Sperre in einem Youtube-Video vorzuführen. Wem es zu viel Aufwand ist, die Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Umgehung der Sperre nachzuvollziehen, der kann sich damit leicht überzeugen, dass die Sperre keinesfalls wirkungsvoll ist:
(via lawblog)
Dazu sollte man noch überlegen, einen anderen als den angegebenen DNS-Server zu verwenden, eine regelmäßig aktualisierte Liste von frei zugänglichen Servern mit Angaben zum Standort und zur Erreichbarkeit findet sich hier.
PS: Wegen der Bundestags-Osterpause sind in den nächsten Tagen keine Neuigkeiten zum Thema zu erwarten.
Und “Klicks” macht man im Zuge der Sperre auch direkt strafbar?
Posted by admin in Hintergründe on March 27th, 2009
Es war abzusehen dass jemand auf die gefährliche Idee kommen würde, die auf die Sperrseite umgeleiteten Personen auch strafrechtlich zu verfolgen. Gestern hat sich Brigitte Zypries im Rahmen der aktuellen Stunde zur Netzzensur im Bundestag die Mühe gemacht (Seite 67 / 23171):
Es ist uns wichtig, mit dem Gesetz die rechtlichen Regelungen dafür zu treffen, dass wir ein Access-Blocking machen können. Ich würde noch weitergehen und nicht nur die DNS, also die allgemeinen Domänennamen, berücksichtigen. Wir müssen auch auf die Ebene darunter gehen, sonst erreichen wir viel zu wenig. Es ist möglich, auf dieser Ebene das Surfverhalten zu verfolgen. Dann können wir sagen: Wer immer versucht, auf die Seite dieses oder jenes Anbieters zu gehen oder auf diese oder jene Inhalte zuzugreifen, wird erstens gestoppt – Ihr Vorschlag – und zweitens strafrechtlich verfolgt.
Diese Aussage enthält, wenn ich sie richtig verstehe, die Forderung danach, Internetnutzer strafrechtlich zu verfolgen, wenn sie beim Versuch ertappt werden, eine der gesperrten Seiten zu besuchen. Der Versuch würde von der Sperrseite, auf die sie durch die DNS-Sperren umgeleitet werden protokolliert, und der Besucher könnte strafrechtlich verfolgt werden.
Das klingt im ersten Moment vernünftig, ist aber sehr gefährlich: Würde ein Besuch der Sperrseite zur strafrechtlichen Verfolgung führen, wäre es jedermann ein leichtes, einem anderen die Staatsanwaltschaft auf den Hals zu hetzen. Warum?
Um Ermittlungen wegen des Versuchs der Beschaffung kinderpornographischen Materials gegen jemanden einzuleiten reicht es, wenn diese Idee von Frau Zypries Wirklichkeit wird, ihn zum Klick auf einen Link zu bewegen.
Es kann davon ausgegangen werden, dass auch die deutschen Sperrlisten früher oder später an die Öffentlichkeit getragen werden. Wenn jemand, nennen wir ihn “Täter” nun jemanden anderes, nennen wir ihn “Opfer”, in Erklärungsnotstand bringen möchte, reicht es dann nämlich, das Opfer zum Klick auf einen Link zu der gesperrten Seiten zu bewegen.
Das ist sehr einfach indem der Täter dem Opfer einen Link auf eine der gesperrten Seiten zukommen lässt, der mit einer harmlosen Beschreibung versehen ist, z.B. “Guck mal die Fotos von den niedlichen Kätzchen“. Klickt das Opfer auf die Verknüpfung, wird er auf eine der gesperrten Seiten geleitet, die DNS-Sperre sorgt dafür, dass sein Zugriff protokolliert wird, und es bekommt in den nächsten Tagen Kontakt mit der Staatsanwaltschaft.
Auch wird es für das Opfer schwer werden, nachzuweisen, dass es nicht auf der Suche nach Kinderpornographie war, denn bis es dazu kommt sich zu rechtfertigen kann der Link vom Täter schnell und einfach aus dem Netz entfernt werden. Alternativ gibt es viele Webseiten, die es ermöglichen anonyme Verknüpfungen zu setzen. Diese können wirksam verhindern, dass das Protokoll der Sperrseite Hinweise darauf enthält, dass das Opfer auf einen Link geklickt hat, der nicht Kinderpornographie versprach.
Bitte liebe Bundestagsabgeordneten, bevor ihr euch mit Ideen gegenseitig übertrumpft, deren Missbrauchspotential unmittelbar erkennbar ist: Fragt doch bevor ihr so innovativ den Mund aufmacht einfach mal jemanden, der sich damit auskennt, sei es euer Admin oder ein einfach ein Informatiker von der nächstgelegenen Uni.
Ich kann mir nämlich vorstellen, dass auch ihr wenn ihr mal drüber nachdenkt auch nicht wollt, dass es sinisteren Zeitgenossen zu einfach gemacht wird, euch die Beschaffung von Kinderporno in die Schuhe zu schieben.
Bei von der Leyen wurde der Stecker zum Internet schon lange gezogen
Posted by admin in Hintergründe on March 27th, 2009
Anders kann man kaum erklären, dass sie nach Monaten der Beschäftigung mit DNS-Sperren gestern immer noch folgendes von sich geben konnte:
Zur technischen Umsetzbarkeit. Man muss sich das in etwa so vorstellen, als wenn man ein Telefon hat, dessen Stecker aus der Wand gezogen ist: Man kann den Hörer abheben und eine Nummer wählen; eine Verbindung wird jedoch nicht aufgebaut. Das ist das Grundprinzip: schon im Ansatz zu sperren, um jeglichen Zugang zu diesem Markt unmöglich zu machen.
Dieser Vergleich ist komplett falsch. Korrekt würde die DNS-Sperre in der Telefonmetapher folgendermaßen formuliert:
Die Sperre entspricht dem Löschen der Telefonnummer Kinderpornoanbieters aus ein paar wenigen von vielen tausend Auskünften im Telefonnetz. Und das in einem Telefonnetz in dem der Nutzer die Freie Wahl zwischen all diesen Auskünften hat.
Genauer beschreibt das der Artikel über die technischen Grundlagen der DNS-Sperren.
Den Satz mit dem Grundprinzip kann man dementsprechend gleich streichen.
Die Kinderpornosperre umgehen
Posted by admin in Hintergründe on February 22nd, 2009
ist in etwa so leicht, wie eine E-Mail zu versenden:
- Öffnen der Netzwerkeinstellungen über Start->Einstellungen
- Öffnen der zur Internetverbindung gehörenden Netzwerkverbindung
- Öffnen der Eigenschaften
- Auswahl von Interneprotokoll (TCP/IP) und öffnen der Eigenschaften
- Eintragen eines nicht filternden DNS-Servers im entsprechenden Feld nach Auswahl von Folgende DNS-Serveradressen verwenden, das entsprechende Fenster findet sich rechts abgebildet. Adressen finden sich leicht bei Google und bispielsweise hier oder gespiegelt hier.
Entsprechende Anleitungen sind auch bereits vielfach für verschiedene Betriebssysteme im Internet zu finden. Wie man sich dort überzeugen kann ist der Aufwand zur Umgehung der Kinderporno-Sperre unter anderen Betriebssystemen nicht größer.
Auch für alle bekannten komplexeren Sperrmethoden bleibt der Aufwand zur Umgehung vergleichbar gering.
Der einzig mögliche Schluss daraus: Die Kinderpornosperre ist leicht zu umgehen, egal wie sie realisiert wird. Leicht zu umgehende Sperren sind kein wirksames Mittel gegen Kinderpornographie.
Update 3. Juni: Von einigen Organisationen werden im Moment auch härtere Sperren gefordert als die hier behandelten DNS-Sperren. Diese sind jedoch unabhängig von der eingesetzten Technik auch nicht schwerer zu umgehen.

