Technik (DNS-Sperren)

Um die Funktionsweise der geplanten Netzssperren zu verstehen, muss man eine grobe Vorstellung davon haben, welche Schritte im Computer zwischen dem Aufruf einer Internetseite wie beispielsweise kinderporno-sperre.de und dem Herunterladen dieser Seite für die Anzeige im Internetbrowser geschehen.

DNS, die “Internet-Auskunft”

Die Adresse kinderporno-sperre.de, auch Domain Name genannt, kann vom Computer nicht direkt angesprochen werden. Die Kommunikation im Internet erfolgt nämlich nicht über Namen, sondern wie beim Telefonetz über Nummern, genannt IP-Adressen. Um also die Inhalte von kinderporno-sperre.de anzeigen zu können, muss der Computer zunächst die IP-Adresse des Computers in Erfahrung bringen, auf dem die Daten von kinderporno-sperre.de liegen. Wie man es auch vom Telefonnetz kennt gibt es im Internet eine Art Auskunft, sie wird DNS-Server genannt. Beim Aufbau der Internet-Verbindung bekommt der Computer automatisch die IP-Adresse einer vom Internetanbieter betriebenen “Auskunft” übermittelt. An diese “Auskunft” wendet sich der Computer um die Adresse kinderporno-sperre.de in die IP-Adresse 62.75.149.29 zu übersetzen. Der Computer nimmt danach Kontakt mit der erhaltenen IP-Adresse 62.75.149.29 auf, und fragt nach den Inhalten der Internetseite kinderporno-sperre.de, die er daraufhin übermittelt bekommt.

Mit diesen Informationen kann man bereits zwei mögliche Sperrmethoden finden:

  1. Sperren des Kontakts zu einer bestimmten IP-Adresse, entsprechen der Sperrung aller Anrufe auf eine bestimmte Telefonnummer.
  2. Manipulation der zu den zu sperrenden Adressen gehörenden Einträge beim DNS-Server, der “Auskunft”.

DNS-Sperren

Wie im Telefonnetz mehrere Personen eine Telefonnummer teilen können, sind oft auch im Internet mehrere Webadressen unter der gleichen IP-Adresse erreichbar. Um nicht auch alle harmlosen Seiten auf einer IP-Adresse mit den zu zensierenden Seiten sperren zu müssen, hat man gegen die erste und für die zweite Möglichkeit entschieden.

Die DNS-Server, die “Auskünfte” werden für DNS-Sperren von den Internetanbietern so manipuliert, dass sie statt der IP-Adresse der abgefragten Adresse die IP-Adresse einer allgemeinen Sperrseite zurückliefern, die den Besucher darüber informiert, dass die Seite, die er eigentlich besuchen wollte Illegal und daher nicht zu erreichen ist.

Die Umgehung dieser Art von Sperre kann wiederum anhand des Telefonnetzes leicht erklärt werden und ist sowohl seitens des Besuchers einer Internetseite als auch von der Seite des Betreibers möglich:

Ein Webseitenbesucher

kann die Sperre umgehen, da zwar beim Aufbau der Internetverbindung automatisch eine “Auskunft” im Computer eingestellt wird, aber technisch kein sinnvoller Zwang zur Nutzung genau dieser einen “Auskunft” denkbar ist. Es gibt im Internet wie im Telefonnetz mehrere (sogar viele Tausend) solcher Auskünfte. Wie man also als Telekomkunde auch eine andere Auskunft als die der Telekom anrufen kann, kann man auch als Kunde eines Internetanbieters, z.B. von T-Online, einen anderen DNS-Server, respektive eine andere “Auskunft” einstellen, als die von Internetanbieter vorgeschlagene. Sperrt diese Auskunft nicht, so kann das Internet unzensiert genutzt werden.

Die Schritte zur Einstellung eines Zensurfreien DNS-Servers sind leicht erklärt, und stellen für den interessierten Laien kein Hindernis dar.

Ein Webseitenbetreiber

kann die Sperre umgehen, indem er statt des Namens seiner Internetseite deren IP-Adresse weitergibt. Der Besucher gelangt dann ohne Nachfrage beim DNS-Server auf die Seite des Webseitenbetreibers und die Sperre ist wirkungslos. Analog könnte man sich vorstellen, dass jemand, dessen Eintrag bei der Auskunft gestrichen wurde seinen Anrufern direkt seine Telefonnummer mitteilt.

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